Merkur, Germany (2026-05-23)
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Extra-Maut für Alpen-Durchfahrt: Schweiz bringt neue Gebühr – Italien-Urlauber zahlen wohl bald doppelt
Der Urlaub in Italien könnte bald deutlich teurer werden. Die Schweiz plant eine Zusatz-Maut für Transit-Reisende. Die neue Maut soll die Vignette ergänzen.
Zürich – Der Weg in den Urlaub in Italien führt für die meisten Deutschen weiter über die Autobahn. Damit kommen nur zwei Optionen in Betracht: eine Durchfahrt durch Österreich oder die Schweiz. Beide Länder erheben eine Maut. Die Eidgenossen haben aber eine teure Extra-Zahlung für Transit-Reisende beschlossen. Doch noch ist einiges unklar.
Wer mit dem Auto nur durch die Schweiz fährt, lässt kein Geld im Land, verstopft die Straßen und verpestet die Luft. So der Vorwurf in der Parlamentsdebatte in der Schweiz, bevor die sogenannte Transitgebühr im März beschlossen wurde. Deshalb will man die Reisenden, die nicht im Land bleiben, jetzt zusätzlich zur bisherigen Vignette zur Kasse bitten.
Urlauber-Maut: Schweiz plant neue Gebühr – es könnte teuer werden
Ganz genau stehen die Einzelheiten bisher nicht fest, aber: Im Gespräch ist eine Gebühr von knapp 21 Franken (rund 23 Euro) – pro Durchfahrt. Das heißt, dass für Hin- und Rückfahrt dann 42 Franken plus Vignette (40 Franken) nötig wären. Außerdem soll der Preis je nach Tageszeit variieren. Zu Stoßzeiten soll es besonders teuer sein. Dahinter verbirgt sich die Hoffnung, dass viele Urlauber auf andere Zeiten ausweichen. Insgesamt hofft man in der Schweiz, dass die neue Gebühr einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in die Kassen spült.
Bis jetzt zahlen Autofahrer für die Jahresvignette in der Schweiz 40 Franken (knapp 44 Euro). Damit darf man dann ein ganzes Jahr die Schweizer Autobahnen nutzen. „Die Schweizer Maut ist im europäischen Vergleich extrem niedrig“, ordnet Kevin Riehl, Dozent am Institut für Transportsysteme und Verkehrsplanung der Universität ETH in Zürich, ein. Zum Vergleich: In Österreich kostet eine Autobahn-Tagesvignette 9,60 Euro. Zusätzlich ist am Brenner eine Gebühr von zurzeit 12,50 Euro fällig. Kosten wie in der Schweiz im ganzen Jahr fallen dort also praktisch bei einer Hin- und Rückfahrt an.
Ebenfalls nicht ganz sicher ist, wie die Schweiz die Durchfahrten kontrollieren will. Rein theoretisch wäre eine Erfassung von Nummernschildern mithilfe von Kameras an den Grenzübergängen kein Problem, so Riehl. Allerdings warnt das Schweizer ADAC-Pendant TCS vor einem erheblichen Mehraufwand bei der Erfassung und Überwachung: „Der TCS bezweifelt daher, dass die Wirkung der Durchfahrtsabgabe den erheblichen Ressourcenaufwand rechtfertigen würde“, sagt Sprecherin Vanessa Flack. „Er hält deren Umsetzung jedoch weder für realistisch noch für opportun.“
Schweiz plant neue Ausländer-Maut für Autobahnen: Zahlt man schon 2026 mehr?
Muss man also schon in diesem Sommer mit teureren Gebühren in der Schweiz rechnen? Wohl eher nicht. Einen Zeitpunkt, wann die Zusatzmaut in Kraft tritt, gibt es bis jetzt nicht. Zum einen ist die Regierung nicht begeistert von der Parlamentsentscheidung, wird also keine Eile an den Tag legen, die Umsetzung auszuarbeiten. Sie sagt auch, dass dafür womöglich eine Volksabstimmung nötig sei. Das würde den Start weiter verzögern. Sicherlich gehen noch ein, zwei Jahre oder mehr ins Land, bevor es ernst wird.
Warum will man die Gebühr? Anwohner ärgern sich über Blechkolonnen an Feiertagswochenenden und bei Ferienbeginn und -ende an den zwei wichtigsten Nord-Süd-Achsen: von Basel nach Chiasso durch den 16,9 Kilometer langen Gotthard-Straßentunnel oder von St. Margarethen nach Bellinzona durch den 6,6 Kilometer langen San-Bernardino-Tunnel. Vor Feiertagswochenenden wie Pfingsten und im Sommer staut sich der Verkehr oft kilometerlang.
Schweiz drückt Urlaubern Zusatzmaut auf – Experte ordnet Nutzen ein
Weil reine Transitfahrten für die Schweiz „ohne nennenswerten Nutzen“ sind, wie es in der angenommenen Vorlage von Nationalrat Marco Chiesa heißt, sollen nur Ausländer zahlen. Laut Bundesamt für Statistik machen solche Transitfahrten 31 Prozent des Personenverkehrs über die Schweizer Alpen aus. 34 Prozent sind Leute, die aus dem Ausland zum Urlaub in die Schweiz kommen und aus der Schweiz ins Ausland fahren, 35 Prozent ist Verkehr innerhalb der Schweiz.
Gegen Staus könnte die neue Gebühr tatsächlich wirksam sein, meint Thomas Sauter-Servaes, Professor für Mobility Sciences (Mobilitätswissenschaft) an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, gegenüber der dpa. Er ordnet aber ein: „Man muss sich aber fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, gleich ganz groß zu denken und ein Mobility Pricing für alle einzuführen.“
Gemeint sind damit Nutzungsgebühren für Straßen, die je nach Tageszeit oder Größe des Fahrzeugs und Auslastung variieren können. „Bislang läuft die Finanzierung der Infrastruktur zum großen Teil über die Treibstoffsteuer, aber bei der wachsenden Zahl von Elektrofahrzeugen wird das immer weniger“, sagt er. „Ein faires Modell wäre, wenn die, die die Straßen am stärksten nutzen – durch schwere Autos oder viele Fahrten – auch am meisten zahlen.“ Fluggesellschaften und die Bahn machten dies schon lange so: zu Spitzenzeiten, wenn alle fliegen oder Bahn fahren wollen, sind die Preise höher als an anderen Tagen.
Auch auf der Österreich-Route verstärken sich die Proteste gegen die starke Verkehrsbelastung. Zu Pfingsten wird der Brenner durch eine Protest-Aktion wohl voll gesperrt. (Verwendete Quellen: ADAC, dpa) (rjs mit dpa)